Elastomere - Nationale Anforderungen für den Einsatz in Trinkwasseranwendungen

Elastomere sind spezielle Kunststoffe, die zwar formfest, aber durch mechanische Kräfte elastisch verformbar, sind. Sie werden in nahezu jedem Bauteil der Trinkwasserverteilung als Dichtungen und zusätzlich in einigen weiteren Bauteilen als Membranen eingesetzt.

Trotz ihrer geringen Oberfläche sind sie somit ein integraler und unverzichtbarer Bestandteil in öffentlichen Verteilungsleitungen und Trinkwasser-Installationen. 


Kontakt

Fachbereich Wasser - Referent
Lars Neveling, M.Sc.

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Hygienische Anforderungen an Elastomere im Kontakt mit Trinkwasser

Genauso wie alle anderen Werkstoffe und Materialien aus denen Produkte im Kontakt mit Trinkwasser hergestellt werden, müssen auch Elastomere hygienische Anforderungen erfüllen.

Allgemeine Hintergründe dazu erläutern wir auf unserer Themenseite zur "Prüfung und Zertifizierung von Materialien und Produkten im Kontakt mit Trinkwasser in Deutschland".

Die elastomerspezifischen Materialanforderungen basieren hierbei auf den allgemeinen Grundsätzen der Trinkwasserverordnung für Werkstoffe und Materialien:
 

„Werkstoffe und Materialien, die für die Neuerrichtung oder Instandhaltung von Anlagen für die Gewinnung, Aufbereitung oder Verteilung von Trinkwasser verwendet werden und Kontakt mit Trinkwasser haben, dürfen nicht den nach dieser Verordnung vorgesehenen Schutz der menschlichen Gesundheit unmittelbar oder mittelbar mindern, den Geruch oder den Geschmack des Wassers nachteilig verändern oder Stoffe in Mengen ins Trinkwasser abgeben, die größer sind als dies bei Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik unvermeidbar ist.“ (TrinkwV § 17, Abs. 2)

Die Elastomerleitlinie


Zum aktuellen Zeitpunkt sind für Elastomere die Anforderungen der am 16. März 2016 zuletzt aktualisierten Leitlinie zur hygienischen Beurteilung von Elastomeren im Kontakt mit Trinkwasser (Elastomerleitlinie) des Umweltbundesamtes anwendbar.

Die Leitlinie beinhaltet zudem eine Positivliste mit verwendbaren Ausgangsstoffen zur Herstellung von Elastomeren und kann als Grundlage zur Beurteilung von Elastomeren im Kontakt mit Trinkwasser im Sinne der Trinkwasserverordnung dienen, ist aber rechtlich nicht verbindlich. Dies wird sich jedoch ändern!

 

Die Bewertungsgrundlage für Kunststoffe und andere organische Materialien im Kontakt mit Trinkwasser


Der Geltungsbereich der Bewertungsgrundlage für Kunststoffe und andere organische Materialien im Kontakt mit Trinkwasser wird mit der geplanten 3. Änderung um elastomere Materialien erweitert.

Nach Veröffentlichung der Änderung im Bundesanzeiger, die für Anfang 2022 geplant ist, treten die Anforderungen nach einer zweijährigen Übergangszeit, also voraussichtlich 2024, verbindlich in Kraft.

Mit diesem Zeitpunkt wird die Elastomerleitlinie zurückgezogen und ist nicht mehr anwendbar. 

Spätestens zu diesem Zeitpunkt kann die trinkwasserhygienische Eignung der Elastomer-Produkte dann nur noch durch eine Konformitätsbestätigung einer entsprechend akkreditierten Zertifizierungsstelle (z.B. gemäß Empfehlung des Umweltbundesamtes) oder einer Eigenerklärung des Herstellers auf Grundlage entsprechender Prüfberichte nachgewiesen werden. 

Sämtliche Prüfzeugnisse, die auf Grundlage der Elastomerleitlinie erstellt wurden, verlieren spätestens zu diesem Zeitpunkt ihre Gültigkeit.

 

Fachexpertise und intensive technisch-wissenschaftliche Arbeit

Der figawa-Arbeitskreis „Elastomere“ beschäftigt sich intensiv mit den daraus resultierenden Auswirkungen. Hier sind sowohl Hersteller von Elastomerbauteilen, als auch die Hersteller von Endprodukten, die diese Bauteile dann in zusammengesetzten Produkten verwenden, organisiert.

Zur Beantwortung offener Fragestellungen und Sachverhalte werden zudem technisch-wissenschaftliche Forschungsversuche konzipiert, finanziert und fachlich begleitet. Die gewonnenen Informationen werden genutzt, um als Bindeglied zwischen Behörden, wie dem Umweltbundestamt, und Industrie die regulatorischen Anforderungen mitzugestalten.

Unter anderem werden folgende Aspekte ausführlich betrachtet und fachlich begleitet:

  • Stoffanforderungen und Positivlisten
  • Mikrobieller Oberflächenbewuchs
  • Spezielle Anforderungen an Produkte in der Trinkwasser-Installation
  • Spezielle Anforderungen an Produkte in der öffentlichen Wasserverteilung
  • Konversionsfaktoren von Produkten
  • Zukünftige harmonisierte europäische Anforderungen

Figawa-Mitglieder werden durch umfangreiche Informationen laufend auf dem aktuellen regulatorischen sowie fachlichen Kenntnisstand gehalten. 

Aktives figawa-Gremium